Meteora - Land der Kiesel - Ostern 1997 und Ostern 1998 Kletterfahrt Meteora 1997 – ein Reisebericht – oder: griechisches Schlechtwetter und trotzdem viel Spaß Meine erste Urlaubsfahrt ohne Eltern und meine erste Kletterreise führte mich über Ostern 1997 nach Meteora im westlichen Teil Thessaliens in Griechenland und gestaltete sich dementsprechend zu einer erlebnisreichen Traumreise und dem Höhepunkt des Jahres. Dabei schlossen sich Jule Hüttenrauch und ich uns den damals bis auf Ralph und Heide uns unbekannten Freibergern vom SMF an. Wie wir Wind bekamen von der Ankletterfahrt der Freiberger? Auch dies sei verraten (vielleicht, um solche Fehler zukünftig zu vermeiden J): an einem SMF-KVS-übergreifenden Kletter- und Boofwochenende im Februar im Großen Zschand teilte sich mir dies über Ralph mit. Mehrere Wochen voller ungeduldiger Vorfreude verwendeten Jule und ich auf die Planung und das Packen, bis es am Gründonnerstag, dem 27.3.1997, endlich soweit waren: per Matrosen wurden wir in das uns bis dato samt seiner Lage völlig unbekannte Freiberg verfrachtet – mein erster Eindruck von der Stadt (mal vom 96er Bergstadtfest abgesehen) ist eine leckere, aber teure Dönerbude am Bahnhof – denn wir waren viel zu früh da. Aber die Bude steht heute noch, und Döner sind in Freiberg immer noch teurer als in Dresden. Doch irgendwann am Abend startete schließlich ein mit uns größtenteils unbekannten Leuten gefüllter Bus gen Griechenland. Bereits die 47 Stunden währende Reise stellte ein Erlebnis dar, wenn in dieser Zeitspanne auch der größte Teil unseres für anderthalb Wochen gedachten Reiseproviantes in unseren Mägen verschwand – was uns bei Dietrichs den Spitznamen „Krümelmonster“ einbrachte, der sich glücklicherweise nicht bis heute hielt; und eine Zwangsdiät für den Rest des Urlaubs. Nach der Ankunft am späten Nachmittag des 29.3. brachen Jule und ich tatsächlich augenblicklich mit dem Ziel auf, unseren in 2 Tagen Stillsitzen aufgebaute und durch den Anblick der Felsen noch vermehrten Kletterdrang durch ersten Felskontakt (für mich der erste nicht-sächsische) etwas zu stillen. Sehr neugierig waren wir auf die Art der Kletterei – und sie enttäuschte mich nicht. Meist entspanntes Höherbalancieren auf tatsächlich haltenden Kieseln – genau meine Art von Kletterei! Und die Anzahl der Ringe war für sächsische Verhältnisse einfach enorm. Zwei Wege am Doupiani, der erste der allbekannte „Regenpfeiler“ V+ und dann die „Direkte Katerschlucht“ VI-, sollten also meine ersten Nichtsandsteinmeter werden; zuletzt im Dunkeln, ein Freiberger vermißte uns auch schon, so viel Kletterdrang bei 14- bzw. 15jährigen Mädels ist dort wohl unbekannt. Wir zelteten direkt unterm Doupiani – ein zwar spartanischer, aber liebenswerter Zeltplatz. Es war auch das erste mal zelten für mich. Anzumerken ist vielleicht noch, daß ich hier meinen ersten Kontakt mit der südeuropäischen Variante eines WC hatte – zunächst war ich mir nicht ganz schlüssig, ob das Ganze nicht ein Fußwaschbecken darstellt. Doch die bereits mit ihren Eltern weitgereiste Jule konnte mich aufklären. J Das Erwachen am nächsten Tag (Ostersonntag 30.3.) war sehr feucht: im Vertrauen auf griechisches Wetter und aufgrund Platzmangels im Zelt war sämtliche Ausrüstung und Bekleidung völlig durchnäßt und in den Schuhen stand das Wasser. Doch sonst verläuft der Tag in dem Stil, den wir zu dieser Kletterreise konsequent durchzogen: extrem motiviert und tatendurstig wurde jede Stunde Tageslicht genutzt, ohne jedoch dabei in Hektik zu verfallen. So wie wir meistens, um die wenigen Tage gut zu nutzen, früh um 7 aufstanden, um nach einem raschen Frühstück oder auch keinem als erste den Zeltplatz zu verlassen und als letzte im Dunkeln heimzukehren, gönnten wir uns aber ebenso etliche Stunden an Gipfelrasten, Albernheiten und Dorferkundungen. Diese Art der Tagesgestaltung wurde dadurch unterstützt, daß wir nur selten eine Taverne aufsuchten, erstens aus finanziellen Gründen und zweitens war auch ich damals noch dem Alkohol total abgeneigt. :-) Und wir kannten „die anderen“ ja kaum. Heute standen die bekannten Klassiker Doupiani „Ostkante“ VI+ und „Dickes Ende“ VI sowie die „Südwestkante“ VI am Heiliggeistwächter an. Doch zwischendurch sorgte gelegentlicher Nieselregen und ein von Zeus am nahen Olymp erzeugtes bedrohliches Donnergrollen für Abwechslung und Mußestunden, bis der Klettertag abenteuerlich in einer sich in einen Wasserfall verwandelt habenden Abseile in völliger Dunkelheit endete und schließlich in strömendem Regen in der zur Koch- und Eßstelle umfunktionierten Männertoilette, dem einzigen trockenen und kostenlosen Ort endete. Es gab auch verschüttete Nudeln vom Klofußboden und kindskopfgroße Kröten, letztere allerdings nicht zu essen. Der Ostermontag beginnt schön, also regenfrei, und so kämpften wir uns am Morgen zusammen mit Seppo, Jana, Pöttker und Semmel durch meteoratypische Macchia zum Bulataturm, um den „Direkten Ostrücken“ VII- zu bezwingen – eine abwechslungsreiceh Tour inklusive Dornensafaris, schöner Rinnen und Überhänge, einer Knieverletzung durch einen Nachsteigertrittausbruch (Jule blutbesudelt) und einer abschließenden Gerölllawine am Ausstieg: Also eine richtig schöne, abwechslungsreiche und „alpine“ Tour: der alpine Charakter wurde noch dadurch bekräftigt, daß es zu hageln und schneien begann. Es folgte noch ein Abstieg barfuß durch kalten Urwald und über spitze, glitschige Kiesel. Nun wollten wir eigentlich noch große Taten am Ypsilotera folgen lassen, doch dies ließ das subtropische WECHSELklima nicht zu – Schnee und Regen WECHSELTEN einander ab. Also flüchteten wir vor dem ungemütlichen Wetter in die Varlaamhöhle, wo wir auch etliche andere antrafen. Hier ist es trocken, doch die Wege schwer; eine VIII- harret vergebens unserer (jedenfalls meiner), bevor wir durch die Helme vor dem Regen geschützt zurücklaufen und den Rest des Tages auf einem Kleinkinderspielplatz, in unserem nassen Zelt Vollwertkost (Kartoffelchips und Cola) verspeisend, tütensuppenkochend auf dem Klo und kartenspielend in der Kneipe verbrachten. Noch ein paar Worte zu unserem Zelt: jung und dumm, wie wir waren, hatte sich in unseren idealistischen Gehirnen die Vorstellung eingebrannt: Griechenland = Sonne nonstop = kein Regen. Die Folge davon war, daß wir mit einem sehr kleinen nicht wasserdichten Zelt ohne Vorbau reisten und daraus ergab sich, daß wir erstens Gegenstand Freiberger Belustigungen waren und innerhalb des Zeltes bald kein Faden mehr trocken war. Das Zeug war sowieso permanent naß, weil es draußen liegen bleiben mußte. Doch wir waren außerdem noch Gegenstand Freiberger Mitleids, das heißt, das uns Ralph seinen Biwaksack spendierte, den man gut zum Vorzelt umfunktionieren konnte. Und nun noch zu Pes: das war „unser“, speziell Seppos Hund – sehr anhänglich, verspielt und geländegängig – bis etwa III- folgte er Seppo überallhin. April, April! Das Erwachen beschert weiteren Dauerregen und das Singen eines Sonnen-Lockliedes in Verbindung mit einer Geldsammlung, um den Matrosen ans Meer zu schicken – doch offenbar hat es nicht gereicht und das Wetter blieb schlecht. So bleibt für den Rest des Tages nichts als wandern übrig – was wir nun etwa zu 20t durch ein moosig-grünes und verregnetes, aber schönes und geheimnisvoll-reizvolles Meteora tun. Dabei stand sogar ein „Aprilscherzhaufen“ im Wege herum – die „Schildkröte“ 2.Begehung und 8.Besteigung. Das Erreichen des Gipfelbuches fand auf klassische Art (sedacky – A1 UND bauen, großzügig auf 4 Meter Gesamthöhe verteilt) statt, vorangetrieben durch die Schwerelosen. Es folgte ein weiteres historisches (da im neuen Kletterführer falsch dokumentiertes) Ereignis: der Beginn einer im April 1998 beendeten Erstbegehung. Dies läßt sich wie folgt beschreiben: Toklo wird von Jana an einem Bäumchen geschwebt, fällt jedoch aufgrund der Brüchigkeit immer wieder herunter – jedesmal regnet es Blüten aus dem auf diese Art vergebens protestierenden Bäumchen. Wir sitzen inzwischen vor Kälte zitternd bei 3°C und Steinschlag herum, versuchen ein Feuer zu machen und kehren bald um, um den Rest des Tages im Zelt zu verbringen. 2.4. – schönes Wetter! Aber alles naß und die Felsen mit triefenden Moosen in sattgrüner Farbe bedeckt, was ein Hinauszögern des Aufbruches bis um 11 bedeutet. Aber dann hält uns nichts mehr! An der relativ kleinen, aber umso eindrucksvolleren Spindel geben wir uns das „Kieselroulette“, um uns dann durch Dornengestrüpp den Weg zu weiteren Taten zu bahnen: Heide, Jule und ich genießen frohes Steigen und endlich mal griechische Sonne in der „Hypotenuse“ VI- 225m am Sourloti: verspätete Ostereiersuche: wo ist der nächste Haken? Felsfarben und oft unvermutet diagonal und weit weg versteckt sich der nächste Ring. Auf dem Gipfel treffen wir den Rest des KVS und seilen zusammen glühenden Achters ab – nicht ohne den Hintergedanken im Kopf, daß die so solide aussehenden Abseilringe nur 40mm im Fels stecken – wie Fachübungsleiter Gerber zu unserer allgemeinen Beruhigung zu berichten weiß. Anschließend tasten wir uns mal wieder im Dunkeln (zu meinem 16.Geburtstag habe ich mir dann konsequenterweise eine Stirnlampe gewünscht und auch bekommen) zum Zeltplatz zurück mit der frohen Aussicht, heute mal nicht im Klo kochen zu müssen. So nimmt ein glücklicher Tag mit Chips und Cola ein glückliches Ende unter glücklichen griechischen Sternen. J Am 3.4. ist es soweit: der Tag der Götter(weg)dämmerung oder der in der Führerliteratur als schönster Weg aller Wege gepriesenen Tour. Anders ausgedrückt: wir wollen zum Traumpfeiler! Der Tag beginnt mit einem Frühstück kalter Knoblauchnudeln früh um 7 – doch es nützt alles nichts, der Weg ist schon besetzt! Was solls, Zeit genug, sich anzuschirren (der Ernsthaftigkeit des Unternehmens angemessen – noch nie habe ich soo etwas langes geklettert – behänge ich mich heute sogar mit zwei Friends, deren Funktionsweise ich bereits zum Leidwesen meiner Eltern an unserer Schrankwand getestet hatte) und letzte Fotos für die Hinterbliebenen zu machen. Und wir können das eindrucksvolle Mönchsgefängnis betrachten, was da rechts von uns in einer finsteren Schlotte lauert. Irgendwann steigt unsere Viererseilschaft (der Reihe nach: ich, Jule, Heide, Jules Bruder Olli) dann in den Weg aller Wege ein, welcher viel Abwechslung bot: groß- und kleinkieslige Reibung, senkrechte Wand, Spreizkamin, Schulterriß, Hangelrippe, bis dato ungeahnte Tiefblicke sowie die Gelegenheit, den ersten Klemmkeil meines Lebens zu versenken – welcher Heide zur Verzweiflung brachte. Wie bereits obligatorisch, fängt es am Nachmittag auch wieder mit Regnen an, doch erst in der letzten Seillänge. Doch es ist noch Muße vorhanden, um die ausgedehnte und blumenreichen Gipfelfläche des Heiligen Geistes zu bewundern und an der Glocke in der Kapelle auf dem Abstieg zu bimmeln... Da heute Abschlußabend ist, getraue ich mich mal in das Innere der Taverne, trinke sogar ein Glas Wein mit und pflege einige nette Schwätzchen. Wie man so einen Abend eben verbringen sollte. Ralph lädt mich für Pfingsten nach Adrspach ein – die Voraussetzung eines weiteren sagenhaften Kapitels des Jahres 1997 wurde somit geschaffen J Doch dies ist ein anderes Thema... Der Anfang vom Ende... ...nämlich der Morgen des
vierten April neunzehnhundertsiebenundneunzig – beginnt als erster mit viel
Sonne und ich kann doch noch meine kurzen Hosen auspacken. Ist ja klar – es
ist der Tag der Heimreise. Was nicht heißt, daß heute nichts mehr mit klettern
ist: während Jule das Zelt abbaut, entschwindet das Kletterzeug mit M.P. und
mir in Richtung Doupiani – „Direkte Südostwand“ VII-, wo wir in der den
Fels allmählich langsam abtrocknenden Vormittagssonne viele Rinnen und einen
schwierigen Quergang „reißen“ – eine ***-Tour. Auch den Bus haben wir
gerade noch so geschafft! Dessen Türen sich nun für 45 Stunden mehr oder
weniger hinter uns schließen. Noch einmal wehmütig durch die Fenster zurückblicken
und im Kletterführer blättern, was man alles verpaßt hat, wird schon jetzt
der Entschluß gefaßt: Meteora 1998 – wir kommen
wieder! Bis
dahin galt Meteora bei uns als Synonym für schlechtes Wetter. Doch ist die Reise noch nicht ganz zu Ende; es passiert noch etwas abenteuerliches und spannendes: nämlich ein Sturm von 10-11 beaufort, auf einer der größten Mittelmeerfähren verbracht. „Früh um 4 werde ich geweckt – das Schiff schwankt wie verrückt, wir stürmen sofort an Deck, wo man auf allen Vieren kriechen muß, um nicht über Bord zu gehen. Das Meer ist ein kochendes Inferno und 10m hohe Wellen brechen sich am Schiff. Unter Deck rollen Möbel und seekranke Chemnitzer herum, Papierkörbe und Zimmerpalmen segeln in hohem Bogen durch die Luft. Wir werden fast erschlagen von aus der Halterung gerissenen Spielautomaten, die davor drohend scheppernd hin und her schwankten und Heide wird fast von einem Kopfsprung betreibenden Fernseher erschlagen. Die Toilette ist dauerblockiert und vielen bedauernswerten Geschöpfen ist wirklich schlecht. Nach 2 Stunden Schauspiel gehe ich wieder aufs Deck zum schlafen, rollere dabei jedoch immer fort.“ ...und wieder 24h Bus, mit Lesen, auf-dem-Fußboden-schlafen, Skat- und Schachspielen vergeht die Zeit ganz gut... Am 6.4. mittags auf dem kalten Freiberger Bahnhof und später in einer leeren Dresdner Wohnung ist unsere Traumreise nun endgültig zu Ende und der Alltag bricht bald wieder ins Leben ein. |